Landratsamt präsentiert Bevölkerungsprognose für Burgenlandkreis und Gemeinden bis 2040

Präsentation der Bevölkerungsprognose im Kreistagssaal

Landkreis geht von einem milderen Bevölkerungsverlust durch Effekte des Strukturwandels aus

Der Burgenlandkreis hat am 26. März 2026 vor Vertretern der kreisangehörigen Städte und Gemeinden eine eigene Bevölkerungsprognose für die kommenden Jahre vorgestellt. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass die Einwohnerzahl des Landkreises bis 2040 zwar sinken wird. Von 2024 bis 2040 wird ein Rückgang der Einwohnerzahl um etwa 20.800 Personen von 178.970 auf 158.176 Menschen prognostiziert. Prozentual sinkt die Bevölkerungszahl somit um zwölf Prozent. Damit liegt die Prognose allerdings deutlich unter der Annahme des Landes Sachsen-Anhalt, die einen Bevölkerungsrückgang von 21 Prozent vorhersieht. Die nun vorgestellte Prognose wurde von der empirica AG im Auftrag des Burgenlandkreises verfasst.

Landrat Götz Ulrich: „Das Land hatte eine pauschale Prognose vorgelegt, die die Besonderheiten der regionalen Entwicklung nicht berücksichtigt. Im Burgenlandkreis und seinen Gemeinden spielen aber positive Effekte eine große Rolle: Ein gelingender Strukturwandel mit neuer Infrastruktur für Wirtschaft, Bildung und ÖPNV kann die Bevölkerungsentwicklung bei uns grundlegend verändern. Die besondere Lagegunst des Burgenlandkreises vor den Toren von Leipzig und Jena ist wichtig, wenn die dort lebende besonders junge Bevölkerung an die Familiengründung und ein Sesshaftwerden denkt. Zuwanderung aus anderen Teilen Deutschlands, Europas und der Welt in gute Arbeitsplätze kann auch solche Umkehr positiv beeinflussen. Unter dem Strich können wir deutlich positiver in die Zukunft schauen als das Land Sachsen-Anhalt insgesamt.“

Ulrike Plitsch, Leiterin der Stabsstelle Sozialplanung im Landratsamt: „Mit der nun vorliegenden Bevölkerungsprognose haben wir eine verbindliche Grundlage für interne und externe Planungen geschaffen – etwa in den Bereichen Schulentwicklung, Kitabedarf und Pflegestruktur. Gleichzeitig werden wir die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung im Landkreis fortlaufend beobachten und anhand der Daten die Prognose anpassen. Es handelt sich hier also um kein starres Zahlenwerk.“

Hintergrund:

Im vergangenen Jahr hat das Statistische Landesamt des Landes Sachsen-Anhalt die 8. Regionalisierte Bevölkerungsprognose veröffentlicht – unter anderem für den Burgenlandkreis. Aufgrund der nicht nachvollziehbar pessimistischen Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung im Burgenlandkreis kommt diese für den Landkreis als Prognoseinstrument zu Planungszwecken nicht in Betracht. Es wird mit einem Bevölkerungsrückgang von 21 Prozent gerechnet – in absoluten Zahlen bedeutet das ein Verlust von 175.217 Einwohnern im Jahr 2023 auf 139.199 Einwohner im Jahr 2040. Das entspricht einem Rückgang von 36.018 Personen.

Diese Differenzen wirken sich unmittelbar auf zentrale Planungsbereiche aus – etwa der Kitabedarfsplanung: Ende 2025 standen rund 14.300 Kindern im Alter von 0 bis unter 10 Jahren etwa 14.100 Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze gegenüber. Beide Prognosen sagen für die kommenden Jahre einen Rückgang dieser Altersgruppe voraus – allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Laut der Landesprognose werden 2035 noch rund 10.800 Kinder im Alter von 0 bis unter 10 Jahren im Burgenlandkreis leben, nach Berechnungen der empirica AG dagegen etwa 11.800. Diese Abweichung von knapp neun Prozent hat eine massive Bedeutung für die Bedarfsplanung: Bei derzeit durchschnittlich 92 Kitaplätzen pro Einrichtung wird die planerische Bedeutung dieser Differenzen offensichtlich.

Statt auf tatsächliche Zahlen der Einwohnermeldeämter, die für die nun vorgestellte Prognose herangezogen wurden, stützt sich die Landesprognose auf die des vergangenen Zensus. Doch laut Zensus lebten 2023 und 2024 mehr als 5.000 Personen weniger im Burgenlandkreis als das wirklich der Fall war. Des Weiteren wurde für die meisten Annahmen in der Landesprognose der Referenzzeitraum 2022 bis 2023 gewählt. Dieser wird als viel zu kurz angesehen, um verlässliche Annahmen für die nächsten 15 Jahre zu treffen. Außerdem wird sich hier auf einen Zeitraum bezogen, der aufgrund der Pandemienachwirkungen, Inflation und Ukraine-Krieg als ungeeignet angesehen wird, um Annahmen zur Entwicklung der Geburten, Sterbefälle und Wanderungsbewegungen für die Zukunft bis 2040 zu treffen. Auch werden infrastrukturelle und wirtschaftliche Veränderungen wie der Strukturwandel in der Landesprognose vollkommen außer Acht gelassen. Die Maßnahmen im Zuge des Strukturwandels haben aus Sicht des Landkreises und der Experten der empirica AG das Potenzial, den Bevölkerungsrückgang deutlich abzumildern.