Fachtag „Sexualisierte Gewalt“ in Weißenfels

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Die bereits vierte Auflage erlebte der Fachtag „Sexualisierte Gewalt“ in Weißenfels am Mittwoch, dem 22. April 2026. Dieser fand in in Zusammenarbeit des Jugendamtes und der Gleichstellungsbeauftragten des Burgenlandkreises mit den Gleichstellungsbeauftragten der Städte Weißenfels und Naumburg im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zu Gewaltschutz und Prävention statt. 

Nachdem in den vergangenen Jahren bereits Prävention, Intervention und Aufarbeitung im Fokus standen, ging es in diesem Jahr um das Thema „Traumatisierung“. Der Fachtag wurde durch die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt LiCHTUNG! vom AWO Sozialwerk Halle (Saale) gGmbH umgesetzt. Die Nachfrage war enorm. Aufgrund des großen Interesses wurde die Veranstaltung von drei auf vier Workshops aufgestockt, wodurch auch das Teilnahmekontingent von 70 auf 100 Personen erhöht werden konnte. Bereits in den ersten 24 Stunden war die Hälfte der Plätze vergeben. „Aus wissenschaftlichen Erkenntnissen wissen wir, dass ein Trauma ein ganzes Leben lang auf eine Person einwirken kann. Viele Betroffene ahnen davon aber nichts, weil sie Strategien entwickelt haben, um im Alltag zu funktionieren, ohne über das Erlebte sprechen zu müssen“, erklärte Katja Henze, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Weißenfels. Diese Situation stelle nicht nur für die Betroffenen selbst eine große Herausforderung dar, sondern auch für die Fachkräfte. „Sie kommen eventuell an Grenzen, weil sie mit Reaktionen umgehen müssen, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen“, so die Gleichstellungsbeauftragte.

Genau hier setzte der Fachtag an. Er beleuchtete die Besonderheiten sexualisierter Traumatisierung und deren Bedeutung für die professionelle Praxis. Ziel war es, Fachkräfte in ihrer Handlungssicherheit zu stärken und Impulse für eine traumasensible Arbeit zu geben. Gleichzeitig wurden die Teilnehmenden ermutigt, auch auf ihre eigene seelische Gesundheit zu achten – denn wer andere unterstützt, braucht ebenso die Fähigkeit, sich selbst zu schützen.

Hintergrund: 

Gewaltschutz und Prävention standen im April 2026 in Weißenfels im Fokus. Für eine Veranstaltungsreihe zu dieser Thematik arbeiteten die Gleichstellungsbeauftragten der Städte Weißenfels und Naumburg sowie des Burgenlandkreises zusammen. Mit dem Programm sollte eine ganzheitliche Betrachtung gefördert werden, die von der akuten Unterstützung über die fachliche Kompetenz bis hin zur gesellschaftlichen Wahrnehmung reicht. Auf dem Plan standen unter anderem eine Weiterbildung zum Thema „Vertrauliche Spurensicherung“ und das Theaterstück „Die fabelhafte Traumashow – Manege frei für das Nervensystem“, das sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger richtete. 

„Gewaltschutz und Prävention sind Themen, die unsere Gesellschaft als Ganzes berühren. Es geht um Betroffene, Fachkräfte und gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung. Nur wenn alle drei Ebenen ineinandergreifen, können wir etwas bewirken. Aus diesem Grund ist unsere interkommunale Zusammenarbeit auch so wichtig. Denn nur auf diese Weise können wir hier im ländlichen Raum regelmäßig solch qualitativ hochwertige Veranstaltungen für Fachkräfte und für interessierte Bürgerinnen und Bürger anbieten“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Weißenfels, Katja Henze.

Einen leichten Zugang zu dem schweren Thema „Trauma“ ermöglichte die „fabelhafte Traumashow“ von Danne Hoffmann und Ellen Schieß. Beide haben eine professionelle Schauspielausbildung, sind aber auch als Coachinnen tätig. Sie wissen deshalb genau, wie es die Psyche schafft, trotz einschneidender Schicksalsschläge im Alltag zu funktionieren. Mit Herz und Humor nahmen sie das Publikum mit auf eine Reise in das faszinierende Spektakel des menschlichen Nervensystems. „Mit dem Thema Trauma wollen viele Personen nichts zu tun haben. Aber jede und jeder hat gewisse Reizpunkte. Das muss nichts Gravierendes sein. Oft sind es die kleinen Dinge, die uns immer wieder auf die Palme bringen, ohne dass wir verstehen, warum“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte des Burgenlandkreises, Barbara Döring. Genau an diesem Punkt setze das Theaterstück an – auf eine ausgesprochen unterhaltsame und überraschend heitere Weise. „Alle Gäste gingen mit neuem Wissen und mit einem tieferen Verständnis für sich selbst und ihre Mitmenschen nach Hause“, so Barbara Döring.

Um die aktive Stärkung von Gewaltopfern ging es bei der vertraulichen Spurensicherung – einem Thema, bei dem noch immer Wissenslücken vorliegen. Das möchte das Netzwerk „Evidence“ (deutsch: Beweis) ändern. In dem Kooperationsprojekt zur vertraulichen Spurensicherung arbeiten in Sachsen-Anhalt inzwischen fünf Kliniken eng mit dem Institut für Rechtsmedizin in Halle zusammen. Nach häuslicher oder sexualisierter Gewalt gewährleisten sie eine qualitätsgesicherte, rechtlich korrekte Dokumentation und Aufbewahrung von Befunden und Spuren – vertraulich und unabhängig davon, ob die Betroffenen anschließend Anzeige erstatten oder nicht. Eine dieser Kliniken ist seit vergangenem Jahr das ASKLEPIOS Klinikum, das vordergründig für den Burgenlandkreis zuständig ist. In einem Vortrag für Fachkräfte erläuterte Dr. med. Carolin Richter von der Uniklinik Halle, wie die vertrauliche Spurensicherung Betroffenen neue Handlungsspielräume eröffnet. Anja Spiegel vom AKLEPIOS Klinikum erklärte anschaulich die Abläufe in der Praxis. Dieses Wissen ist von zentraler Bedeutung, damit Polizei und Unterstützungsnetzwerke in akuten Situationen schnell und gezielt handeln können. Zudem können sie ihr Wissen an (potentielle) Betroffene weitergeben und sie stärken, indem der unmittelbare Entscheidungsdruck entfällt und zukünftige Handlungsspielräume wachsen. Das Netzwerk „Evidence“ wird durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.