Landrat Götz Ulrich stellt sich gegen geplante Erhöhung der Schaumweinsteuer
Landrat steht hinter Rotkäppchen-Mumm, Winzern und Weinregion Saale-Unstrut.
Landrat Götz Ulrich hat sich frühzeitig und auf mehreren politischen Ebenen gegen die von der Bundesregierung geplante Erhöhung der Schaumweinsteuer um rund 20 Prozent eingesetzt. Bereits am 22. Juli 2026 wandte er sich dazu in persönlichen Schreiben an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, Ministerpräsident Sven Schulze, Landesminister Prof. Dr. Armin Willingmann sowie an die Bundestagsabgeordneten Dieter Stier und Sepp Müller.
Anlass waren Hinweise der Geschäftsführung von Rotkäppchen-Mumm auf die wirtschaftlichen Folgen der geplanten Steuererhöhung. Die aktuelle Berichterstattung des Mitteldeutschen Rundfunks bestätigt nach Auffassung des Landrates die bestehenden Sorgen. Die Vorstandsvorsitzende von Rotkäppchen-Mumm, Silvia Wiesner, warnt vor einem weiteren Rückgang der Nachfrage und geringeren Spielräumen für Investitionen und Produktentwicklungen.
Landrat Götz Ulrich: „Als Landrat eines traditionsreichen Weinanbaugebietes und eines Landkreises, in dem Deutschlands größter Sekthersteller seinen Stammsitz und seine Markenheimat hat, kann ich zu diesen Plänen nicht schweigen. Rotkäppchen-Mumm ist für uns weit mehr als ein bedeutender Arbeitgeber. Das Unternehmen ist ein Stück Heimat, eine der großen ostdeutschen Erfolgsgeschichten und ein unverzichtbarer Botschafter für Freyburg, den Burgenlandkreis und ganz Sachsen-Anhalt.“
Die vorgesehene Erhöhung würde die Schaumweinsteuer für eine handelsübliche Flasche Sekt von gegenwärtig rund 1,02 Euro auf etwa 1,22 Euro anheben. Nach den Planungen des Bundes soll die höhere Besteuerung von Schaumwein jährlich etwa 65 Millionen Euro zusätzlich einbringen. Landrat Ulrich bezweifelt jedoch, dass dieses Ziel angesichts eines bereits seit Jahren rückläufigen Marktes erreicht werden kann:
„Wenn steigende Preise zu sinkenden Absatzmengen führen, bleibt von den erwarteten Mehreinnahmen möglicherweise wenig übrig. Für die Unternehmen und unsere Region sind die Folgen hingegen sehr konkret: Investitionen können verschoben werden, Wertschöpfung geht verloren und Arbeitsplätze geraten unter Druck. Der Bund sollte keine Steuer erhöhen, deren fiskalischer Nutzen unsicher, dafür aber wirtschaftlicher Schaden absehbar ist.“
Der Landrat verweist auch auf die besondere Bedeutung von Rotkäppchen-Mumm für den ländlichen Raum. Das Unternehmen beschäftigt am Standort Freyburg viele Mitarbeiter. Mehr als zehn Millionen Euro wurden in die neue Rotkäppchen Erlebniswelt investiert, die jährlich über 80.000 Gäste empfängt. Davon profitieren das Unternehmen und auch Hotels, Gastronomie, Einzelhandel, Winzerbetriebe sowie Kultur- und Tourismuseinrichtungen in der gesamten Saale-Unstrut-Region.
Auch kleinere Erzeuger wären von der Steuererhöhung betroffen. Gerade angesichts des rückläufigen Absatzes von Stillwein setzen Winzer zunehmend auf hochwertige Schaumweine und Winzersekte, um zusätzliche Wertschöpfung zu erzielen. Für hochpreisige Winzersekte mag der Aufschlag auf die einzelne Flasche verkraftbar erscheinen. Dennoch ist es nach Ansicht des Landrates ein widersprüchliches Signal, eine Branche zusätzlich zu belasten, die bereits mit steigenden Kosten, veränderten Konsumgewohnheiten und schwierigen Absatzbedingungen konfrontiert ist:
„Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen für unsere Wein- und Sektwirtschaft. Wer den ländlichen Raum stärken will, darf seine erfolgreichen und regional verwurzelten Unternehmen nicht durch immer neue Belastungen schwächen. Ostdeutsche Wirtschaftspolitik darf sich nicht allein auf Neuansiedlungen konzentrieren. Wir müssen ebenso entschieden für die Unternehmen eintreten, die über Jahrzehnte am Standort investiert, Arbeitsplätze geschaffen und die schwierige Transformation nach 1990 erfolgreich bewältigt haben.“
Den gesundheitspolitischen Hinweis auf die präventive Wirkung höherer Alkoholpreise hält Landrat Ulrich als Begründung für die konkrete Ausgestaltung der Pläne nicht für überzeugend: „Gesundheitliche Prävention ist wichtig. Sie muss aber fachlich schlüssig und in sich widerspruchsfrei sein. Wenn ausgerechnet Schaumwein stärker besteuert wird, während Wein steuerfrei bleibt und auch die Biersteuer nicht erhöht werden soll, entsteht der Eindruck, dass es vor allem um zusätzliche Haushaltseinnahmen geht.“
In seinen Schreiben hat Landrat Ulrich die Bundes- und Landespolitiker deshalb aufgefordert, sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren gegen die Erhöhung der Schaumweinsteuer einzusetzen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bot er zugleich ein gemeinsames Gespräch mit der Geschäftsführung von Rotkäppchen-Mumm in Berlin oder einen Besuch am Unternehmensstandort in Freyburg an.
Landrat Ulrich: „Die drei mitteldeutschen Länder sollten in dieser Frage geschlossen auftreten. Ich werde mich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die geplante Erhöhung der Schaumweinsteuer nicht Gesetz wird. Es geht dabei nicht um die Interessen eines einzelnen Unternehmens, sondern um Arbeitsplätze, Investitionen, regionale Wertschöpfung und die Zukunft unserer Weinregion Saale-Unstrut.“
Auf die Schreiben reagiert hat bisher der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller, der ein Gespräch mit der Unternehmensführung in Berlin anberaumt hat.



