Burgenlandkreis beantragt Schulversuch für den Bildungscampus Naumburg
Anlässlich des Richtfestes für den neuen Bildungscampus Naumburg hat Landrat Götz Ulrich am 20. Juni 2026 dem Bildungsstaatssekretär des Landes Sachsen-Anhalt, Jürgen Böhm, einen Antrag auf Schulversuch überreicht. Dieser besitzt zunächst eine Laufzeit von fünf Jahren und soll es ermöglichen, außerhalb des Schulgesetzes neue Lernformen zu erproben. Kern des Versuchs ist der Zusammenschluss von Sekundarschule und Förderschule zu einer Sekundarschule mit Förderschulzweig. Da die Naumburger Förderschule dauerhaft die Mindestschülerzahl von 90 Schülern verfehlt, kann so ein Förderschulangebot für den westlichen Burgenlandkreis aufrechterhalten werden. Durch diese Schulform sollen auch Wechsel zwischen Förder- und Sekundarschule für Schüler einfacher und flexibler möglich sein – durch Probeunterricht, ein befristetes Rückkehrrecht und den Wegfall der Genehmigungspflicht durch das Landesschulamt. Auch sieht der Schulversuch einen gemeinsam Stundenpool mit der Berufsbildenden Schule vor sowie Ganztagsangebote für alle Schüler auf dem Campus.
Landrat Götz Ulrich: „Wir wollen, dass der Bildungscampus Naumburg eine echte Schulgemeinschaft wird, nicht nur drei Schulen unter einem Dach. Ohne den Schulversuch dürfte eine Lehrerin der einen Schule nicht Vertretungsunterricht an einer der anderen Schulen übernehmen. Hierfür wäre erst die Zustimmung des Landesschulamtes einzuholen. Das gleiche würde für den Wechsel von Schülern gelten. Ein Schüler der Förderschule dürfte nicht für drei Wochen am Unterricht der benachbarten Sekundarschulklasse teilnehmen, um zu schauen, ob ein späterer dauerhafter Wechsel für ihn infrage kommt. Hier halten wir mehr Flexibilität für notwendig. Ich bin überzeugt, dass eine solche Zusammenarbeit der Weg für die Schule der Zukunft ist.“
Hintergrund:
Seit einem Jahr baut der Burgenlandkreis an der Dr. Wilhelm-Kniest-Straße in Naumburg einen Bildungscampus. Dieser soll als moderner und inklusiver Bildungsstandort Menschen zusammenbringen, neue Wege für Bildung, Teilhabe und Begegnung eröffnen sowie schulische Förderung, allgemeine Bildung und berufliche Orientierung an einem Ort vereinen.
Der neue Campus wird die Pestalozzi-Förderschule Naumburg, die Sekundarschulen „Albert Schweitzer“ und Teile der Alexander-von-Humboldt-Sekundarschule sowie das berufsvorbereitende Jahr an den Berufsbildenden Schulen Burgenlandkreis beherbergen. Geplant sind außerdem eine Dreifeldsporthalle, zeitgemäße Fach- und Werkräume sowie großzügige Außenanlagen für Sport und gemeinschaftliches Lernen. Insgesamt sollen 61 Unterrichtsräume, 37 sonstige Verwaltungsräume, Mensa und Mehrzweckraum sowie neun Praxisräume im Werkstattbereich entstehen. Der Campus kann bis zu 750 Schüler aufnehmen. Die Fertigstellung des Bildungscampus Naumburg ist für Ende des Jahres 2027 geplant.
Die Gesamtkosten für den Bau belaufen sich auf rund 60 Millionen Euro - davon stammen 45 Millionen Euro aus Mitteln des „Just Transition Funds“ der Europäischen Union. Der verbleibende Anteil wird vom Burgenlandkreis getragen.